Sternstunde für Hyundai
Koreanische Autos und große Pläne für die WM - ob das gutgeht?

"Nach dem WM-Turnier soll jeder Deutsche mindestens ein Hyundai-Modell nennen können." Hört, hört. Hohe Ziele, die sich Hyundai-Marketing-Direktor Rae-Su Cho da gesteckt hat. 45 Millionen Euro lässt sich der koreanische Autobauer das Sponsoring des Großereignisses kosten. Und jetzt das: Eine Umfrage der Sport-Bild ergab, dass nur 5,2 Prozent der Befragten wissen, dass Hyundai überhaupt ein WM-Sponsor ist. Mercedes, den Sponsor des DFB, kennen danach immerhin 9,6 Prozent.
Um Gottes Willen, was ist da bei Hyundai nur schiefgelaufen? Man hat sich doch solche Mühe gegeben: 1000 Fahrzeuge wurden besorgt. Für Spieler, Trainer und die Funktionäre stellte Hyundai den Fuhrpark. Auch des Kaisers neue Kutsche ist, er hatte keine Wahl, ein Hyundai. "Centennial" - Jahrhundertfeier heißt die Limousine für den obersten Organisator der WM. Wow, ein würdiger Name für die Jahrhundert-Weltmeisterschaft. Die Nachbarn werden richtig neidisch sein. Doch Vorsicht. Wenn die Nachbarn hören, unter welchem Namen der "Centennial" in Korea vom Band läuft, dann lässt man die Pferdchen lieber im Stall. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Auto heißt in Korea doch tatsächlich "Equus", was übersetzt aus dem Lateinischen nichts anderes als Pferd heißt. Ein Auto namens Pferd. Vielleicht hätte Hyundai doch lieber die Polo-WM sponsern sollen.
Beim Werbemotto lassen die Koreaner allerdings nichts anbrennen, das passt richtig gut zum sympathischen Fußballfest: "Dabei sein ist alles." Ach, wie herrlich, die meinen es so richtig ernst mit dem Fair Play. Bis man weitergelesen hat. "Und Hyundai bringt dich hin." Und zwar nur Hyundai. Denn die Koreaner nutzen ihre Exklusivrechte rigoros aus. Rings um die Stadien dürfen bei der WM keine Fahrzeuge anderer Hersteller unterwegs sein. Hundertprozentige Chancenausnutzung würde man das im Fußballdeutsch wohl nennen. Stark begünstigt vom Schiedsrichter, denn erst die Pfeifen der FIFA haben dafür gesorgt, dass sogar Taxen und Busse anderer Hersteller ihre Fahrgäste vor der Bannmeile ums Stadion absetzen müssen.
Apropos Busse. Die Mannschaftsbusse für Ronaldinho, Ballack und Co. wurden natürlich auch von Hyundai gestellt. Das erkennt man sofort, schließlich prangt ja ein großer Sponsorenaufkleber der Koreaner daran. Sehr durchschlagskräftige Werbung. Vielleicht etwas zu kräftig, denn die Fans sehen bereits Sterne. Ganz recht. Vorne, an der repräsentativsten Stelle des ganzen Busses, prangt doch glatt das Symbol eines deutschen Mitbewerbers. Weil die FIFA an diesem Autobauer nichts verdient, möchte sie den Namen lieber unerwähnt lassen. Nennen wir ihn zur Veranschaulichung daher einfach mal: Mercedes-Benz. Eine Sternstunde für die koreanische Autoindustrie. Hyundai scheint ein riesiges Vertrauen in die eigenen Busse zu haben, deswegen wurden die vorsichtshalber auch gleich in Korea gelassen.
Vielleicht waren sie einfach nicht zuverlässig genug. Wie sähe das denn auch aus, wenn ein Hyundai, mit weltberühmten Spielern oder gar dem Kaiser persönlich an Bord, mit einer Panne liegen bleiben würde? Auf den ADAC können Rae-Su Cho oder die FIFA-Bosse an den Stadien dann jedenfalls lange warten. Den haben sie ja höchstpersönlich ausgesperrt.

Text: Michael Lagemann

AUTOMOBIL - GLOSSE
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