Wo der Glaube mobil macht
Unterwegs auf den Straßen und Pisten von Mali

Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Wer hier mobil sein will, darf nicht nur auf die Technik vertrauen. Vielleicht ist daher der religiöse Glaube der Malier so unverwüstlich. Ganz im Gegensatz zu ihren Verkehrsmitteln.
Ein lautes Geräusch. Der Motor stottert, dann verstummt er ganz. "Kein Problem", sagt der Fahrer. Er steigt aus und öffnet die Motorhaube. Mit wenigen Handgriffen zieht er einen Schlauch aus dem Motorraum. "Der will doch nicht wirklich…?". Doch, er will tatsächlich. Schnell steckt er sich die Benzinleitung in den Mund. "Wenn der Sprit nicht auf natürliche Weise fließen will, dann müssen wir eben mit dem Mund ansaugen", sagt Abu Traman Diakité (52), der Taxifahrer in Bamako, der Hauptstadt von Mali. Sein Dienstfahrzeug ist ein Peugeot 505, der alte "Cinqcentcinq" ist hier ein sehr beliebtes Auto. Noch beliebter auf den Straßen und Pisten Westafrikas ist die Version "Familiale", die lässt sich wegen ihrer dritten Sitzbank nämlich noch besser als Taxi einsetzen. Denn Sitzplätze sind bares Geld wert in Afrika, wo kaum ein Fahrzeug nicht vollkommen überladen ist. "Ich fahre zwar keinen Familiale, dafür ist das die Version Présidiale", meint Abu Traman scherzhaft und zeigt auf einen Aufkleber auf der Scheibe. Er trägt das Antlitz von Amadou Toumani Touré, dem Staatspräsidenten.
Ob der Präsident mit dem schrottreifen Taxi fahren möchte darf bezweifelt werden. Von vier Türen lassen sich zwei mit etwas Glück noch öffnen, die Zeiger der Armaturen werden höchstens von den Erschütterungen bewegt, welche die scheinbar nicht mehr vorhandenen Stoßdämpfer ungefiltert an alle Insassen weitergeben. Davon fallen gelegentlich auch mal ganze Türverkleidungen ab. Und nur wenige Kilometer später fällt auch der Motor wieder aus. Abu Traman muss mal wieder nachhelfen. Während er im Motorraum nach dem Fehler sucht, wird das Taxi von allerlei Gefährten überholt, die man in Europa nur noch selten zu Gesicht bekommt.

"Bitte ein Bit" - Begehrte deutsche Alt-Autos

Neben den aus der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich stammenden Peugeot 504 und 505 sind vor allem deutsche Altautos sehr beliebt. Nicht selten sieht man den vielen alten Mercedes ihre Herkunft auch sofort an. "Bitte ein Bit!" steht da noch auf so manchem 190er-Diesel, direkt neben dem damals vorgeschriebenen D-Aufkleber.
Allerdings bleibt in einem Dritte-Welt-Land der Besitz eines eigenen Fahrzeugs für viele Menschen ein Traum. Viele Malier benutzen daher die öffentlichen Verkehrsmittel, und davon gibt es reichlich. An den zahlreichen Busbahnhöfen von Bamako drängen sich alte Mercedes-207-Transporter. Aus deren Blech werden einfach Öffnungen ausgeschnitten, so bekommen die Passagiere auf den nachträglich eingebauten Bänken wenigstens etwas von der Außenluft ab. Von frischer Luft kann bei dem vielen Staub keine Rede sein, aber zum Atmen reicht es. Auch in den Bussen bedeutet jeder Fahrgast bares Geld, und wenn die Sitzplätze nicht ausreichen, dann fahren die Menschen eben auf dem Trittbrett oder auf dem Dach mit. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn nicht selten muss man seinen Platz im Inneren mit Hühnern, Ziegen oder anderem Getier teilen. Für viele der tierischen Begleiter ist die Fahrt mit dem Bus die letzte Reise, denn die meisten Fahrgäste sind auf dem Weg zum nächsten Marktplatz. Und da landen die Tiere meist im Kochtopf. "Für die Leute auf dem Land sind die kleinen Busse die einzige Möglichkeit, aus ihrem Dorf mal rauszukommen" sagt Abu Traman, als der nach gelungenem Ansaugen den Motor erneut startet.
Diesmal schafft es unser Taxi zehn Kilometer weit, außerhalb von Bamako bleiben wir wieder liegen. Unweit von uns steht auch ein alter Mercedes 303-Reisebus, die Insassen breiten gerade Decken am Straßenrand aus. Offensichtlich sind wir also nicht die einzigen mit einer Panne. "Die haben keine Panne. Es ist Mittag, der Bus hält an, damit die Leute beten können" klärt uns Abu Traman auf. 80 Prozent der Malier sind Muslime, da ist es ganz normal, wenn die Fahrt für das Gebet in Richtung Mekka unterbrochen wird.

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