Invasion der Bademäntel
"Dittsches" Wochenrückblick macht einen Hamburger Imbiss berühmt

Jeden Sonntagabend präsentiert Olli Dittrich seinen mit dem Grimme-Preis prämierten Wochenrückblick aus Sicht der Hamburger Milieufigur "Dittsche". Ort des Geschehens ist stets eine Imbissbude. Doch die steht nicht in einem Filmstudio. Im Gegenteil, sie hat fast täglich geöffnet.
"Mahlzeit!" Wer da soeben in eine Imbissbude in Hamburg hineingeschlurft kommt, sieht schon reichlich ungewöhnlich aus: Weiß-blau karierter Bademantel, Badelatschen und in der Hand eine Plastiktüte mit leeren Bierflaschen. "Ach, das ist für uns mittlerweile ein gewohnter Anblick", sagt Klaus Polley-Czech. Er und seine Frau Manuela sind die Besitzer der "Eppendorfer Grill-Station", und jeden Sonntagabend um 22.30 Uhr ist ihr Imbiss beim etwas anderen Wochenrückblick von "Dittsche" live im WDR zu sehen.

Jeder Besucher ein Imitator

Doch der Dittsche, der gerade mit den Worten "Boah, dat perlt aber heude wieder, sachma" sein Bierchen ansetzt, ist natürlich nicht Olli Dittrich. Er ist einer von vielen treuen Fans der Sendung, die im Outfit ihres Helden dem Imbiss einen Besuch abstatten.

"Viele Fans aus dem Norden kommen um Dittsche´s Stamm- lokal zu besuchen" erzählt Klaus Polley-Czech. "Aber auch aus Bayern haben wir Besucher, die vorbeikommen, weil sie unseren Imbiss aus dem Fernsehen kennen." Auch die in der Sendung auftauchenden Sprüche hört man immer wieder, da huldigt einer Olli Kahn als "reinen Titanen", ein anderer Gast am Stehtisch meint nur mürrisch: "Halt die Klappe, ich hab Feierabend."

Es gibt sogar Abende, da wimmelt es nur so vor Dittsche-Imitatoren in der kleinen Imbissstube. Klaus Polley-Czech erzählt: "Wir hatten letztens eine Gruppe aus Jever hier, die haben mit fast 50 Leuten einen Geburtstag gefeiert, und wirklich alle in Bademänteln!"

Kein Umbau für die Produktion

Der Imbiss der Polley-Czechs wurde nach zweijähriger Suche ausgewählt. "Die Leute vom Fernsehen suchten einen Imbiss, der ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllte", weiß der Wirt zu berichten. "Der Tresen sollte links am Eingang liegen und musste aus jedem Winkel gut sichtbar sein, außerdem brauchten die einen Nebenraum für die Technik." Die wird jeden Sonntagmittag ab 13 Uhr aufgebaut. Klaus Polley-Czech freut sich über die geringe Arbeit, die er damit hat. "Ich gebe den Fernsehleuten bloß den Schlüssel in die Hand, alles Weitere erledigen die selbst. Groß umbauen müssen die auch nicht, der Schrank ist einer Kamera im Weg und wird umgestellt, ein Teppich wird rausgerollt, danach ist die Bude fertig für die Sendung."

Stammgäste im Fernsehen und im Leben

Mit den Stars der Sendung, vor allem mit Olli Dittrich haben die Polley-Czechs auch persönliche Kontakte, aber außerhalb der Sendung sieht man keinen der drei Hauptdarsteller im Imbiss. "Naja, die würde man ja sofort erkennen.” Die Inhaber haben Verständnis, “dass die lieber in Ruhe essen wollen." Doch einige Charaktere der Sendung sieht man regelmäßig in der Grill-Station, wie der Chef zu berichten weiß. "Einige der Stammgäste der Sendung sind auch schon vorher Stammgäste bei uns gewesen, zum Beispiel Oscar Umpierrez, ein Laienschauspieler, der regelmäßig als Handwerker bei Dittsche auftaucht."

Eigentlich ist alles wie früher

Für Manuela und Klaus Polley-Czech ist die Sendung in ihrem Imbiss ein Glücksfall. "Viele Kunden kommen nicht nur, um mal zu gucken, die meisten essen auch was. Unser Umsatz hat sich entsprechend positiv entwickelt." Doch auch die Stammkunden sind trotz des öffentlichen Interesses dem Imbiss treu geblieben, zur Freude der Inhaber. "Ach, die leben damit, genauso wie wir. Eigentlich ist ja eh alles wie früher."

Text: Michael Lagemann

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